Abschied & Ankunft

August 9th, 2011 by Astrid

Der Abschied von Brasilien und meinem dortigen Leben ist mir sehr schwer gefallen. Nach einem Jahr sind mir die Menschen dort und vor allem auch die Kinder und Jugendlichen aus der Casa Pequeno Davi ziemlich ans Herz gewachsen. Es war ein sehr emotionaler und tränenreicher Abschied, was aber auch ein gutes Zeichen dafür ist, wie viel ich in diesem Jahr erlebt habe.

In der Casa Pequeno Davi wurde ich von der Tanzgruppe mit einem sehr leckeren Kuchen überrascht und die vier Ludogruppen, mit denen ich sehr viel Zeit verbracht habe, haben mir Alben mit Briefen und Bildern der Kinder gebastelt. Am Samstag vor meinem Abflug gab es dann noch eine Abschiedsfeier mit einem Großteil der Mitarbeiter bei Lindalva und mir. Die Stimmung war trotz des Abschiedsschmerzes gut.

Sonntags ging das Verabschieden dann gleich mit einem Mittagessen mit der Familie von Lindalva und Freunden weiter. Montag an dem gleichzeitig lang ersehnten und gefürchteten Tag meiner Abreise musste ich dann auch noch „tchau praia“  sagen und war zum letzten Mal bevor es wieder ins kalte Deutschland ging an einem der Traumstrände Brasiliens. Zum Flughafen begleitet wurde ich dann abends von Cláudia, Mônica und Lindalva. Letztere hat mir zum Abschied den Hausschlüssel geschenkt, was mich sehr gerührt und mich noch einmal in meinem Vorhaben João Pessoa wieder zu besuchen bestärkt hat.

So schwer der Abschied war, so schön war natürlich auch das Wiedersehen mit meiner Familie und meinen Freunden in Deutschland. Die Reise hat problemlos geklappt und ich bin gut in Deutschland gelandet, auch wenn ich mich noch nicht wieder an alles hier gewöhnt habe, das dauert bestimmt noch eine Weile. Ich sehe jetzt vieles mit anderen Augen und habe mich noch nie so über eine warme Dusche und eine Waschmaschine gefreut. Auch ist mir noch die aufgefallen wie leise Deutschland ist und wie wenig Menschen man in den Straßen sieht. An dies und vieles andere muss ich mich wohl erst wieder gewöhnen, aber auch das ist Teil der Erfahrung.

Wegen zu viel Wasser zu wenig Wasser

Juli 28th, 2011 by Astrid

Es ist Regenzeit in João Pessoa. Das bedeutet es regnet ständig, dass es aber eine ganze Woche durchregnet, so wie es letzte Woche der Fall war, kommt eher selten vor.

Auch an einem gewöhnlichen Regentag verwandeln sich die Straßen schon zu Flüssen und der Tanzraum in der Casa Pequeno Davi in ein Schwimmbad.

Dementsprechend war die Stadt natürlich nicht auf eine ganze Woche Dauerregen vorbereitet. Viele Häuser wurden überschwemmt, Brücken zerstört und Straßen unbefahrbar (außer man war mit dem Kanu unterwegs). Dann ist das Wasser in der halben Stadt ausgefallen. Ja, richtig gelesen wegen des Regens ist das Wasser ausgefallen, denn auch die Anlagen der Wasserversorgung wurden überschwemmt und die Pumpen sind ausgefallen. Glücklicherweise wurde der Stadtteil in dem ich wohne noch einmal verschont, aber in Roger hatte kein Glück. Im ganzen Stadtteil fehlte es an Wasser. Mit allen hygienischen Folgen. Die Straßen waren gefüllt von Menschen jeden Alters, die mit Eimern und Plastikflaschen Wasser holen gegangen sind, um wenigstens ein wenig Wasser zum Kochen und Trinken zu haben. Viele Kinder haben in zwei Seen gebadet deren Wasser nicht wirklich sauber ist, weil dort die auch die Tankwagen gewaschen werden, die das Abwasser in die Nahe gelegene Kläranlage bringen. Die Schule ist ausgefallen. Die Casa Pequeno Davi hat zwar einen Wassertank, aber auch dieser reicht nicht sehr lange aus. Alle haben versucht so gut wie möglich den normalen Alltag aufrecht zu erhalten, aber als das Wasser dann fast eine Woche weg war wurde es langsam schwierig, die Toiletten waren nicht mehr zu betreten und das schmutzige Geschirr stapelte sich. Zum Glück kam das Wasser dann am Freitag wieder und alle waren sehr erleichtert. Noch eine Erfahrung, die ich so schnell nicht vergessen werde.

Tag der deutschen Kultur

Juli 28th, 2011 by Astrid

Zum Abschluss meines Aufenthaltes in der Casa Pequeno Davi wurde ein Tag der deutschen Kultur veranstaltet. Alle Gruppen haben für diesen besonderen Anlass etwas vorbereitet: Es wurden unter anderem die Zahlen von 1-6 auf Deutsch gelernt, über die deutschen Jahreszeiten gesprochen, ein Lied von Johann Sebastian Bach auf der Blockflöte einstudiert, Walzer getanzt und dem Märchen der Bremer Stadtmusikanten gelauscht. Zum Abschluss gab es dann noch Schinkennudeln und Schneckennudeln für alle. Die Vorbereitung und Durchführung dieses Tages haben mir viel Freude bereitet, weil sie nochmals den Austausch der Kulturen betont haben und ich auch selbst viel Neues über Deutschland gelernt habe.

Präsentation Deutschland

Teatro Santa Rosa

Juli 17th, 2011 by Astrid

Eine Tanzstunde anderer Art gab es für die Tanzgruppe der Casa Pequeno Davi. Gemeinsam haben wir das Theater „Santa Rosa“ im Zentrum João Pessoas besichtigt. Viele waren noch nie zuvor in dem 1889 eingeweihten Theater gewesen und sichtlich beeindruckt. Eine der Hauptattraktionen war allerdings auch der Baum neben dem Theater, der sich perfekt zum Tarzan spielen eignete. Seht selbst:

Vive São João!

Juli 17th, 2011 by Astrid

Der Juni ist der Lieblingsmonat vieler Nordestinos (Menschen aus dem Nordosten Brasiliens), denn heißt es: Vive São João! São João ist das Fest des Jahres für die Bevölkerung des Nordosten Brasiliens. Es wird zu Ehren des heiligen Antonius, Petrus und Johannes, daher auch der Name, gefeiert. São João zeigt die Schönheit und Vielfältigkeit der Kultur der Nordestinos, ihre Traditionen, Geschichte und Lebensfreude. 

Kulinarisch gibt es auch einiges zu schmecken. Die Hauptzutat der Speisen ist so gut wie immer Mais. Noch nie in meinem Leben habe ich so viel Mais gegessen. Der Mais gekocht gegessen, gegrillt, in Kokosmilch gekocht, zu Kuchen verarbeitet, als eine Art Pudding verkocht … der Kreativität wird nur einen Grenze gesetzt: die Speisen müssen Mais enthalten.

Bei der Kleiderordnung sind vor allem karierte Hemden, Hüte und bunt geblümte Kleider gefragt. Bei dem traditionellen Make-up läuft es für die Frauen meist auf gemalte Sommersprossen und die Herren auf einen Schnurrbart hinaus. Die Haarmode besteht in dieser Zeit aus zwei geflochtenen Zöpfen und wer zur Umsetzung dieser Frisur nicht genug Haare auf dem Kopf hat, besorgt sich eben einen Hut bei dem gleich zwei Zöpfe aus Plastikhaar integriert sind und fröhlich an den Seiten herunterbaumeln.

Also mit jeder Menge Mais im Bauch, kariertem Hemd, Zöpfen und aufgemalten Sommersprossen kann es richtig losgehen: Es wird Lagerfeuer gemacht, Knaller und anderes Feuerwerk gezündet. Die Tradition des Lagerfeuers wurde mir erklärt ist entstanden, weil die Mutter von Johannes dem Täufer ein Feuer entzündet hat, um mitzuteilen, dass der Junge geboren wurde.

Außerdem wird eine Maiskönigin gewählt. Das Fest hat ein wenig von unserem Erntedankfest, den es wird vor allem für die Maisernte gedankt. Die Wahl ur Maiskönigin hat mich auch ein wenig an die deutschen Weinfeste erinnert, bei denen ja auch eine Weinkönigin ernannt wird.

Natürlich wird auch Forró und Quadrilha getanzt. Quadrilha ist ein Tanz der schon am französischen Hof getanzt und von der Europäern in der Kolonialzeit nach Brasilien gebracht wurde. Die Quadrilha hat sich seit damals in seiner Art ziemlich gewandelt, aber die Kommandos in denen sich die tanzenden Paare zu ordnen haben werden sind aber immer noch wie es bei Hofe üblich war auf Französisch. Während des Tanzes findet immer eine Hochzeit mit Brautpaar und Pfarrer statt warum habe ich nicht verstanden, es ist nun mal Tradition und gehört dazu. Für die Quadrilhas findet auch jedes Jahr ein Wettbewerb statt bei der ähnlich wie bei den Sambaschulen zur Karnevalszeit die beste Quadriliha prämiert wird.

Auch in der Casa Pequeno Davi wurde ordentlich gefeiert, allerdings aus umweltfreundlichen Gründen ohne echtes Feuer dafür aber mit von der Kunstgruppe gefertigter schöner Dekoration. Hier einige Fotos von dem Fest:

Achtung frisch gestrichen!

Mai 17th, 2011 by Astrid

Die Wand der Casa Pequeno Davi wurde neu gestrichen und mit allen Logos von ihren Unterstützern und Partnern geschmückt. Darunter ist auch die Evangelische Gnadenkirche Mannheim Gartenstadt in dezentem Grün zu finden: